Artikelstamm und Zustand des Unternehmens

Artikelstamm ein Indikator über Zustand der Unternehmung?


Kann die Anzahl der Artikel im Artikelstamm ein Indikator über den Zustand der Unternehmung sein?

Als Beispiel sei hier ein mittelständisches Unternehmen mit 60 Mitarbeitern und einem Portfolio von 8 aktuellen Maschinen und genauso vielen Vorgängermodellen (die aber nie in einen Phase Out gebracht wurden, sondern immer noch erhältlich sind – in Teilen, wie auch komplett).

Der Artikelstamm hat sich über die Betriebsjahre auf stattliche 90.000 Artikel ausgeweitet.

Das klingt auf den ersten Blick sehr umfangreich und möglicherweise überdimensioniert. Ob dieser Artikelstamm wirtschaftlich ist, hängt von mehreren Faktoren ab, darunter der Grad der Standardisierung, die Produktionsanforderungen und die Verwaltungskapazitäten. Hier sind einige Überlegungen und Ansätze zur Beurteilung:

1. Typische Artikelstammgröße

  • In Unternehmen dieser Größe und Branche wäre eine wirtschaftliche Artikelanzahl meist deutlich niedriger, typischerweise im Bereich von 10.000 bis 30.000 Artikeln – abhängig von der Komplexität der Produkte und der Varianz.
  • Ein Artikelstamm von 90.000 Artikeln deutet auf hohe Redundanz, mangelnde Standardisierung oder ineffiziente Artikelverwaltung hin.

2. Ursachen für einen großen Artikelstamm

  • Hohe Variantenvielfalt: Zu viele kundenspezifische Anpassungen und Varianten, die nicht auf standardisierten Modulen basieren.
  • Dubletten: Artikel, die mehrfach im System angelegt wurden, weil es keine klaren Prozesse zur Vermeidung von Redundanzen gibt.
  • Obsolete Artikel: Alte oder nicht mehr verwendete Artikel, die nicht systematisch aus dem Bestand entfernt wurden.
  • Geringe Standardisierung: Wenig durchdachte Wiederverwendbarkeit von Teilen und Baugruppen.
  • Fehlende Klassifikation: Ein schlecht strukturierter Artikelstamm kann dazu führen, dass scheinbar neue Artikel angelegt werden, obwohl sie vorhanden sind.

3. Wirtschaftliche Obergrenze

Die wirtschaftliche Obergrenze hängt von der Effizienz der Artikelverwaltung ab:

  • Pflegeaufwand: Je größer der Artikelstamm, desto mehr Zeit benötigen Mitarbeiter für Verwaltung, Pflege und Datenkorrektur.
  • Wiederbeschaffungsrisiko: Große Artikelstämme bergen das Risiko, selten genutzte Teile vorzuhalten, die Kapital binden und Lagerkosten verursachen.
  • Kennzahlen:
    • Ein gut gepflegter Artikelstamm sollte nur etwa 10-20% der Artikel regelmäßig aktiv nutzen.
    • Wenn weniger als 5-10% Ihrer Stammartikel regelmäßig verwendet werden, ist eine Bereinigung dringend nötig.

4. Bewertung der aktuellen Artikelstamm Situation

Indikatoren für Überdimensionierung:

  • Wenn von den 90.000 Artikeln nur ein Bruchteil (z. B. weniger als 20%) aktiv verwendet wird, ist der Artikelstamm deutlich zu groß.
  • Wenn viele ähnliche Artikel in den Stammdaten auftauchen (z. B. Schrauben mit minimalen Unterschieden), sollte die Standardisierung erhöht werden.

Richtwert:

Für das Unternehmen sollte ein Artikelstamm von 10.000 bis 20.000 Artikeln, der gut gepflegt, strukturiert und standardisiert ist, wirtschaftlicher sein. Dies hängt jedoch stark von der Komplexität der Maschinen und der individuellen Fertigungstiefe ab.


5. Maßnahmen zur Reduktion

  1. Datenbereinigung:
    • Identifizieren und entfernen der obsolet gewordenen Artikel.
    • Konsolidierung der Dubletten.
  2. Klassifikation und Struktur:
    • Nutzung eines systematischen Klassifikationsschemas (z. B. eCl@ss oder eine interne Hierarchie).
    • Sicherstellen, dass ähnliche Artikel konsistent benannt und gekennzeichnet sind.
  3. Standardisierung:
    • Entwicklung eines Baukastensystems, bei dem möglichst viele Komponenten in mehreren Maschinen verwendet werden können.
    • Vereinfachung der Variantenvielfalt, wo immer möglich.
  4. Artikelanlageprozess:
    • Definition klarer Regeln für die Anlage neuer Artikel.
    • Überprüfung, ob ein bestehender Artikel verwendet werden kann, bevor ein neuer angelegt wird.
  5. Digitale Tools:
    • Einsatz eines PDM-/PLM-Systems, das den Artikelstamm effizient verwaltet.
    • Nutzung KI-gestützter Werkzeuge, um Redundanzen und Verbesserungspotenziale aufzudecken.

Fazit

Ein Artikelstamm von 90.000 Artikeln ist für das im Beispiel genannte Unternehmen zu groß und führt zu erhöhtem Verwaltungsaufwand sowie ineffizienter Produktion. Eine wirtschaftlichere Größe liegt im Bereich von 10.000 bis 30.000 Artikeln. Der erste Schritt ist eine gründliche Analyse und Bereinigung Ihrer Artikel, gefolgt von Maßnahmen zur Standardisierung und Modularisierung.

Gerne unterstütze ich Sie bei der Optimierung ihres Artikelstammes.


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